Die Neuentdeckung des Weißtees

Silver NeedlesAls Teeliebhaber bin ich immer auf der Suche nach neuen Teegenüssen. Seit drei Jahren steht dabei für mich die Entwicklung eines neuen Weißtees im Vordergrund. Ich liebe Weißtees weil sie einen ganz besonderen, unvergleichlichen  Geschmack haben. Bislang wurden in Sri Lanka hauptsächlich Schwarz- und Grüntees angebaut, denn für die Weißteeproduktion eignen sich nur wenige alte Plantagen.

Vor einigen Jahren fand ich eine nicht mehr in Betrieb befindliche Teeplantage. Sie lag im Süden Sri Lankas, also in meiner Heimat, im Low Grown Gebiet (in der Tiefebene). Die Teebäume wurden schon lange nicht mehr regelmäßig auf einer Höhe von 1 m gehalten und die Blätter nicht mehr abgepflückt. Sie waren mittlerweile 8 bis 10 Meter hoch gewachsen!
Ich übernahm die verwaiste Plantage mit den 90 Jahre alten Teebäumen und ließ sie wieder zum Leben erwecken. Riesige Mengen Unkraut wurden entfernt und geschickte Teepflücker begannen in luftiger Höhe die Triebspitzen zu ernten.
Um einen wirklich exzellenten neuen Tee zu erhalten, experimentierte ich mit den Pflückzeitpunkten. Das Wetter während der Ernte ist entscheidend für die Qualität des Tees. Es muss trocken und kühl sein, also nachts nur so um die 10 Grad Celsius! So kalt ist es in Sri Lanka nur von Januar bis März. Außerdem muss die Luftfeuchtigkeit relativ hoch sein und es sollte Windstille herrschen. Optimal erwies sich der junge Morgen zwischen 6 und 8 Uhr just zur Zeit der ersten Sonnenstrahlen. Da all diese Voraussetzungen nur an wenigen Tagen gegeben sind, verlangt die Festlegung des Erntetages große Erfahrung.

Die frisch von Hand gepflückten Blattspitzen heißen Silverneedles. Bei niedriger Temperatur gedämpft und zwischen den Handinnenflächen gerollt ähnelt ihre Blattstruktur später an das Material eines Vogelnestes. Pro Ernte können auf meiner kleinen Plantage jeweils nur etwa 30 kg Tee geerntet werden. Der Ertrag ist also sehr wertvoll.
Zur Dämpfung wird fast kalkfreies Wasser aus der Plantagenquelle verwendet. Zuerst wird das Wasser in einem großen geschlossenen Wasserkessel auf 100 Grad Celsius erhitzt. Der entstehende Dampf wird dann zu einer schonenden Semifermentierung der Teeblätter verwendet.
Das Geheimnis, um aus den Teeblättern einen großartig schmeckenden Spitzentee zu machen ist die Dämpfzeit. Das ist wie beim Eierkochen: es bedarf viel Erfahrung aber auch etwas Glück, um die optimale Dämpfzeit bzw. Garzeit abzupassen. Nur so erhält man ein optimales Ergebnis und ein Spitzenprodukt. Dieser Tee hat dann einen mit keinem anderen vergleichbaren Charakter, eine leichte weißgrüne klare Tasse und einen seidigen, vollmundigen Geschmack.
Um dieses Ergebnis zu erreichen, kommt es natürlich auf die Zubereitung an. Optimal ist gefiltertes Wasser, das nach dem Aufkochen etwa drei Minuten lang auf 80 Grad abgekühlt wird und erst dann auf die Weißteeblätter gegossen wird. Die Ziehzeit beträgt nur 90 Sekunden. Der Tee kann abgesiebt werden und die leicht grüne klare Tasse wird sichtbar. Wie bei allen Grün- und Weißtees wird danach ein zweites mal circa 80 Grad heißes Wasser aufgegossen. Dieses darf aber nur 30 Sekunden lang ziehen, sonst wird das bittere Tannin aus den Blättern gelöst. Um die Poren zu öffnen und damit das gewünschte Aroma zu freizusetzen reichen die empfohlenen 80 Grad aus. Wer möchte, kann einen dritten Aufguss vornehmen – wieder mit 80 Grad heißem Wasser und dann einer Ziehzeit von 60 Sekunden.
Der zweite Aufguss hat zweifellos den vollmundigsten und seidigsten Geschmack und ist damit der beste. Der neue Ceylon-Weißtee ist quasi der Champagner unter den Teesorten und garantiert einen unvergleichlichen Genuss.

Testen sie selbst, welcher Tee am besten zu Ihnen passt. Natürlich stehe ich Ihnen bei Fragen und Anregungen gerne zur Verfügung. Oder möchten Sie vielleicht zum Probieren einer guten Tasse Tee bei mir im Teegeschäft vorbeikommen? 
Sie sind herzlich eingeladen!

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