Die Tradition Japans

Der 10. Februar 2010 war auch ein sehr außergewöhnlicher Tag in meinem Leben. Ich wollte meine Teehandelsbeziehungen zu Yoco Miyazaki ausbauen. (siehe auch den Beitrag: Gibt es Zufallsbegegnungen?) Dazu hatte ich mich auf den Weg gemacht, das ferne Land Japan zu besuchen und damit die berühmte japanische Teetradition kennen zu lernen.

Schon direkt nach der Landung in der Stadt Kansai in der Provinz Osaka begrüßte mich Yoco und hieß mich aufs allerherzlichste Willkommen. Ihr Empfang war so warmherzig, dass meine Reisemüdigkeit sofort verflogen war. Mein Interesse, fast müsste ich sagen Neugierde auf Japan war so groß, dass ich aufgeregt und gespannt auf alles war, was Yoco mir zeigen und erzählen wollte.

Traditionelles TeehausVom Flughafen aus sind wir direkt mit dem Zug cirka 50 Kilometer bis nach Kyoto gefahren. Diese Fahrt hätte ich auch alleine machen können, aber Yoco wollte mich von Anfang an in ihrem Heimatland Japan überall hin begleiten, um mir alles zu erklären und meinen Aufenthalt in dem fremden Land möglichst angenehm zu gestalten.

So erfuhr ich, dass Kyoto die geschichtlich und kulturell bedeutenste Stadt Japans ist. Sie befindet sich auf der Westseite der japanischen Hauptinsel Honshu. Bevor es zu den Teeplantagen ging, wollten wir also zwei Tage hier verbringen, um auf den Spuren des Buddhismus und der damit verbundenen japanischen Teekultur zu wandeln.

Kyoto ist nicht nur Zentrum des japanischen Buddhismus, sondern war von 794 bis 1868 auch Kaiserresidenz und Hauptstadt Japans. Um einen fundierten Eindruck von Japan und der Entstehung seiner berühmten Teetradition zu gewinnen, ist ein Besuch Kyotos also unverzichtbar. Yoco war es auf Anhieb gelungen, mich für das Land zu begeistern – es war hier einfach alles faszinierend.    

In Kyoto und der näheren Umgebung gibt es ganze 16 buddhistische Tempel! Yoco führte mich in den wichtigsten und heiligsten Tempeln von allen, in den Kinkoaku-Ji Tempel. Früher wurde er auch Rokuou-Ji (Goldener Pavillon-Tempel) genannt. 1397 ließ Kaiser Kita Yama ihn als seinen zweiten Alterssitz bauen und prunkvoll einrichten. Hier empfing er oft die allerhöchsten Gäste aus den 47 japanischen Präfekturen. Regelmäßig wurde in dem Teehaus, das sich im Palastgarten befindet, die feierliche Teezeremonie nach streng festgelegten Regeln begangen. Diese ist bis heute überliefert und untrennbar von der japanischen Kultur geworden.

Weg zum goldenen Tempel Goldener Tempel in Kyoto Altes kaiserliches Teehaus

Einen Nachbau dieses besonderen Teehauses kann man heutzutage besichtigen und eine dem Original nachempfundene Teezeremonie miterleben. Natürlich haben Yoco und ich bei unserem Besuch des Tempels auch an einer solch beeindruckenden Teezeremonie teilgenommen!

Matcha mit SüßigkeitKaiser Ashikaga Yoshimoshi, der Sohn von Kaiser Kita Yama, ließ das Gebäude später umbauen und es zu einem Zentempel zu Ehren Buddhas weihen. Nach geschichtlicher Überlieferung befindet sich ein Achtzehntel der Asche Siddhartha Gautama Buddhas im Allerheiligsten des goldenen Tempels. Um möglichst viel von der Geschichte des Tempels und damit der japanischen Religion, Tradition und der Entwicklung der Teezeremonie zu erfahren, hielten wir uns über 5 Stunden im Tempel auf. Wir trafen auch Pilger, die die heilige Stätte besuchten und sprachen mit ihnen über ihre Bräuche und Lebensgewohnheiten. In diesen Stunden fühlte ich mich mitten in die Geschichte Japans zur Zeit Kita Yamas zurückversetzt. Erst jetzt wurde mir klar, wie eng der Buddhismus mit der Teekultur in Japan verbunden ist.

Aber wie war der Tee nach Japan gekommen?

1191, zur Zeit Kaiser Kamakurras brachte der buddhistische Zenpriester Dengyo Daishi eine Hand voll Teesamen mit nach Hause in sein Heimatland Japan. Er hatte in China studiert und dort den Tee kennen und lieben gelernt. Er gab einem anderem Priester namens Myoe Shonin aus der Präfektur Uji einen Teil der Samen. Die Teesamen wurden alle ausgesät, gepflegt und nach einigen Jahren das erste mal Blätter von den kleinen Teesträuchern geerntet. Der daraus hergestellte Sencha-Grüntee war nur für die Teezeremonie der Zenpriester bestimmt. Außerdem tranken die Priester den koffeinhaltigen Tee, um wach und gesund zu bleiben. Vor allem aber auch um lange Meditationzeiten durchzuhalten. 

Ab 1215 wurde Tee dann auch in der kaiserlichen Familie getrunken. Danach wurde das heiße Getränk auch unter den Samuraikämpfern beliebt. In dieser Zeit wurde auch der Machatee entdeckt.

1392 endete der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Süddynastien. Anschließend wurde Ashikaga Takauji zum neuen Tenno, also Kaiser von Japan. Seitdem durfte jeder Teezeremonien abhalten und der Tee wurde zum Nationalgetränk. Genossen wurde, und wird bis heute, vorrangig Grüntee, der noch immer ein teures und sehr kostbares Getränk ist.  

Diese Tage in Japan und die vielen Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen dort waren eine wichtige Erfahrung für mich und ich bin sehr dankbar dafür. Als ceylonsischer Teetester hat sich für mich eine ganz neue Welt des Tees geöffnet.

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